Eine eingestellte App, jahrelang gesammelte Daten und eine spontane Idee: Als TV Time plötzlich verschwand, wollte ich eigentlich nur eine Alternative finden. Stattdessen habe ich mit ChatGPT und Codex meine eigene iPhone-App entwickelt. Ohne selbst Swift programmieren zu können. Na ja, zumindest nicht wirklich. 🙂
Wenn eine App einfach verschwindet
Jahrelang habe ich mit TV Time meine Filme und Serien getrackt. Was habe ich bereits gesehen? Bei welcher Staffel bin ich gerade? Und was steht noch auf meiner Watchlist?
Anfang Oktober funktionierte die App plötzlich nicht mehr. Eine kurze Recherche mit ChatGPT brachte die ernüchternde Erkenntnis: TV Time wurde bereits am 15. Juli 2026 eingestellt (Mac-Rumors Bericht). Angekündigt wurde das Ganze offenbar gerade einmal rund zwei Wochen vorher und das nur in der App selbst. Wer die App in diesen zwei Wochen nicht genutzt hat, der hat es nicht mitbekommen können. Auch die Möglichkeit, meine gesammelten Daten offiziell zu exportieren, war inzwischen verschwunden.
Auf Reddit fanden sich zahlreiche frustrierte Nutzer, denen es ähnlich ergangen war. Jahre an Bewertungen, Watchlists und Serienhistorien waren plötzlich nicht mehr zugänglich.
Ziemlich ärgerlich. Aber statt einfach zur nächsten App zu wechseln, kam mir eine andere Idee: Warum eigentlich nicht selbst eine entwickeln?
Von der Idee zu WatchPO
Als Product Owner beschäftige ich mich täglich mit Softwareentwicklung. Allerdings normalerweise mit Anforderungen, User Stories und Priorisierungen, nicht mit dem eigentlichen Programmieren.
Also fragte ich ChatGPT, wie ich eine eigene iPhone-App zum Tracken von Filmen und Serien entwickeln könnte. Relativ schnell entschieden wir uns für eine native App mit SwiftUI und Xcode.
Die eigentliche Entwicklung übernahm anschliessend Codex, der KI-gestützte Coding-Agent von OpenAI.
Mein Job? Beschreiben, was ich möchte, die Ergebnisse ausprobieren und bei Bedarf nachbessern lassen. Dieses Vorgehen nennt sich Vibe Coding.
Aus der ersten Idee entstand so Schritt für Schritt WatchPO, mein persönliches Film- und Serienarchiv. Watch steht fürs Schauen, PO für meine Rolle als Product Owner.
Mehr als nur eine Watchlist
Inzwischen kann ich mit WatchPO Filme und Serien verwalten, bereits gesehene Episoden markieren, meinen Serienfortschritt verfolgen und eine persönliche Watchlist führen.
Über die Schnittstelle von The Movie Database (TMDB) lassen sich Informationen wie Filmbeschreibungen, Bewertungen und Cover abrufen.
Eine besonders praktische Erweiterung kam während der Entwicklung dazu: der Import meiner Netflix-Wiedergabehistorie.
Netflix bietet die Möglichkeit, die persönliche Wiedergabehistorie herunterzuladen. Diese Daten kann ich nun in WatchPO importieren, statt sämtliche Filme und Serien von Hand nachzutragen.
Irgendwie schliesst sich damit auch ein Kreis. Ausgerechnet der Verlust meiner TV-Time-Daten hat mich dazu gebracht, eine App zu entwickeln, mit der ich meine Film- und Serienhistorie wieder selbst verwalten kann.
Und das Beste daran: Wenn mir eine Funktion fehlt, kann ich sie mit Codex weiterentwickeln. Natürlich klappt nicht immer alles auf Anhieb. Aber der Weg von einer Idee zu einer funktionierenden Erweiterung ist erstaunlich kurz geworden.
WatchPO auf dem Homescreen und am Handgelenk
Weil nach der ersten funktionierenden App natürlich gleich die nächste Idee kam, habe ich mit Codex auch ein iPhone-Widget und eine Apple-Watch-App für WatchPO entwickelt. Das Widget zeigt mir direkt auf dem Homescreen, welche Episode als Nächstes ansteht. Auf der Apple Watch kann ich ebenfalls einen Blick auf die nächste Folge werfen und sie als gesehen markieren. Klingt nach einer kleinen Ergänzung. Für mich war es aber schon ziemlich cool, die eigene App plötzlich auch am Handgelenk zu nutzen. 🙂










Was ich aus dem Experiment mitnehme
Mich fasziniert vor allem, wie sich durch KI die Einstiegshürde für die Softwareentwicklung verändert.
Ich musste nicht erst Swift lernen, um mit meinem Projekt anzufangen. Stattdessen konnte ich mich auf das konzentrieren, was ich aus meinem Berufsalltag kenne: Anforderungen formulieren, Lösungen beurteilen und das Produkt weiterentwickeln.
Ganz ohne technisches Verständnis und kritisches Hinterfragen funktioniert das natürlich nicht. Auch KI-generierter Code kann Fehler enthalten.
Aber aus einer spontanen Idee ist inzwischen eine App geworden, die ich selbst nutzen kann. Und das hätte ich mir vor nicht allzu langer Zeit kaum zugetraut.
Lust, WatchPO auszuprobieren?
Bisher habe ich WatchPO hauptsächlich für meine eigenen Bedürfnisse entwickelt. Nun möchte ich herausfinden, wie sich die App bei anderen Nutzern bewährt.
Deshalb plane ich einen Beta-Test über Apple TestFlight. Wenn du gerne Filme und Serien schaust und Lust hast, WatchPO auszuprobieren, freue ich mich über deine Teilnahme und dein Feedback.
Die Anmeldung funktioniert ganz einfach:
- Melde dich über das folgende Formular für den kostenlosen Beta-Test an. Gib dabei die E-Mail-Adresse an, mit welcher du im App Store angemeldet bist.
- Ich lade dich zu TestFlight ein. Sobald die Beta-Version freigegeben ist, erhältst du eine Einladung.
- Installiere TestFlight auf deinem iPhone und lade WatchPO über den Einladungslink herunter.
Die Teilnahme ist kostenlos. Da es sich um eine Beta-Version handelt, können natürlich noch Fehler auftreten.
Noch ein Schritt: Dein persönlicher TMDB-Key
Damit WatchPO auf Film- und Seriendaten zugreifen kann, benötigst du einen eigenen API-Key von TMDB.
Diesen kannst du kostenlos für nicht kommerzielle Zwecke beantragen:
- Registriere dich auf themoviedb.org oder melde dich mit deinem bestehenden Konto an.
- Öffne deine Kontoeinstellungen und wähle unter «API» die Option zur Beantragung eines API-Keys.
- Kopiere nach der Freigabe deinen API Key (v3 auth).
- Öffne WatchPO und hinterlege den Schlüssel in den TMDB-Einstellungen.
Warum dieser zusätzliche Schritt? Für die Beta-Version habe ich mich bewusst entschieden, keinen gemeinsamen API-Key in der App zu hinterlegen. So verwendet jeder seinen eigenen TMDB-Zugang und die API-Nutzung wird nicht über meinen persönlichen Schlüssel abgewickelt.
Der kostenlose API-Zugang unterliegt den TMDB-Nutzungsbedingungen. Deinen Schlüssel solltest du nicht öffentlich weitergeben.
Mein Fazit
Was als spontane Reaktion auf das Ende von TV Time begann, ist für mich zu einem spannenden Experiment mit KI-gestützter Softwareentwicklung geworden.
WatchPO ist sicher noch nicht perfekt. Aber genau deshalb möchte ich die App nun von anderen ausprobieren lassen.
Und wer weiss, vielleicht wird daraus irgendwann mehr als nur mein persönliches Film- und Serienarchiv.
Ein weiteres kleines Stück «Living the Digital Life». Dieses Mal selbst programmiert. Oder besser gesagt: gevibe-coded. 😉
Wie trackt ihr eure Filme und Serien? Und hättet ihr Lust, WatchPO zu testen?
